Ist Bodybuilding Kunst oder sportlicher Vergleich?

Als vor mehr als 115 Jahren der Brite Eugen Sandow den allerersten bekannten Contest der Bodybuilder ausrief, da war das Ganze noch eine Lachnummer auf dem Jahrmarkt, doch das änderte sich schnell und selbst soziokulturelle Veränderungen wie der Feminismus fanden Eingang in das Fitnessstudio. Spätestens seit den 1970er Jahren sind hier auch immer mehr Frauen aktiv und definieren ihre Muskeln, was zumindest eine Zeitlang als Massenphänomen beinahe vollständig mit einem gesunden und schönen Körper in Verbindung gebracht wurde. Das hat sich mittlerweile gelegt, aber die Frage nach der Direktion des Bodybuilding bleibt unvermindert bestehen.

Bewertungskriterien beim Körperkult

In der Regel betrachtet die Öffentlichkeit diese Wettbewerbe als eine Art Zuschaustellung von Physis, hält also wenig von der Einordnung in den Leistungssport. Und doch braucht es Menge Arbeit, hartes Training, Disziplin und eine komplette Kontrolle des eigenen Lebensstils, um den gewünschten Body zu formen und das ist Leistung, ohne Zweifel. Bodybuilding als bloßen Schönheitswettbewerb zu bezeichnen schlägt also fehl und die Präsentation der Physis ist wie beispielsweise beim Ringen und Boxen nach Gewichtsklassen unterteilt. Dafür verantwortlich zeichnet der IFBB, der global tätige Verband für die Szene, die im Übrigen auch den bekannten Contest des Mr. Olympia veranstaltet.

Bewertet werden natürlich in erster Linie die Muskeln selbst und zugleich die Symmetrie derselben zueinander. Beim optimalen Bodybuilding soll die Muskelmasse eine spezielle Dichte erreichen, hart werden, sich aufteilen nach Strukturen und massig wirken. Die Symmetrie hingegen adressiert an eine exakte Definition beider Hälften des Körpers, ein bewerteter Umstand, der oft genug den Sieger von den Unterlegenen trennt weil so schwer zu erreichen! Oft posen die Sportler dazu geschickt und trickreich, nutzen vielleicht das Licht auf der Bühne und manchmal kann das die Jury auch übersehen und positiver bewerten als normalerweise. Auf jeden Fall sollte noch auf den Posedown verwiesen werden, das große Finale, bei dem sich die Teilnehmer gegenseitig messen und zeigen, was die harte Arbeit im Studio gebracht hat.

Klassen und Wettbewerbe

Die Größe wird beim Bodybuilder nicht gewertet, allerdings gibt es für diese Kategorie eigene Verbände und so erfolgt die Einteilung in Gewichtsklassen, von 70 Kilo aufsteigend bis 100 Kilo Körpergewicht. In letzter Zeit gibt es dazu einige Veränderungen und bei einigen Wettbewerben wird auf das Verhältnis von Größe und Gewicht geachtet, was dem bloßen Masseaufbau in den klassischen Vergleichen entgegentreten soll.

Mit Sicherheit das bekannteste und entsprechend auch renommierteste Event im Bereich des Bodybuildings ist Mr. Olympia. Eine Anerkennung des Sports für die echten Olympischen Spiele hat leider nie stattgefunden und so gilt der genannte Contest, ausgerichtet vom IFBB, als Gradmesser für die Szene. Allerdings sind die Preisgelder selbst hier vergleichsweise gering, die meisten Profis in diesem Sport setzen entweder auf Werbung und Sponsoren oder betreiben eigene Fitnessstudios, eine Ernährungsberatung oder publizieren Tipps und Tricks in Buchform.